Bauch oder Kopf – wie Sie richtig entscheiden

Sollen wir rational entscheiden? Sind Gefühle bei Entscheidungen störend? Und ist es besser mit dem Bauch oder mit dem Kopf eine Entscheidung zu treffen? Die Hirnforschung liefert spannende neue Einblicke.

Mythos Verstand: wie wir uns wirklich entscheiden
Von Benjamin Franklin wird die Geschichte erzählt, dass ein junger Mann ihn um Rat fragte, der sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden konnte. Frankin empfahl, zu jeder Frau die Vor- und Nachteile aufzuschreiben, und dann anhand der Liste die Frau mit meisten Plus- und den wenigsten Minuspunkten auszuwählen. Gesagt getan kam der Mann rasch zu einem eindeutigen Ergebnis für eine bestimmte Frau. Und entschied sich plötzlich für die andere.

Von der Antike bis hinein ins 20. Jahrhundert hielt sich ein Mythos hartnäckig: Entscheidungen sollten wir rational fällen, Gefühle stören.

Hirnforscher entdeckt „Zentrum“ für Entscheidungen
Der bekannte Neurowissenschaftler Antonio Damasio untersuchte einen Patienten, der einen Tumor hinter der Stirn aufwies. Das Spannende: dieser Patient konnte sich nicht entscheiden. Selbst einfache Alltagsentscheidungen wie zum Beispiel im Supermarkt gingen nicht mehr. Für den Tumorpatienten fühlte sich alles gleich an.

Damasio konnte zeigen, dass Gefühle und insbesondere die Körperwahrnehmung eine Schlüsselrolle bei Entscheidungen spielen. Für uns bedeutet dies: wir brauchen einen starken präfrontalen Cortex (Stirnhirn) und einen guten Zugang zu körperlichen Empfindungen.

Gute Entscheidungen: Kopf oder Bauch?
Sollen wir nun besser viel nachdenken oder intuitiv entscheiden? Dieser Frage ging zum Beispiel eine Studie nach, die Versuchspersonen aus vier Autos eines auswählen lies. Hintergrund: tatsächlich war ein Auto objektiv die beste Wahl. In einem Fall bekamen Versuchspersonen vier Merkmale, in einem anderen zwölf Merkmalinformationen. Nun wurden Gruppen angehalten, entweder drei Minuten nachzudenken oder drei Minuten von 1000 angefangen immer um sieben runterzurechnen (dadurch war kein Nachdenken über die Autowahl möglich). Das Ergebnis: jene Gruppe, die darüber nachdenkte, war bei der einfachen Entscheidung (vier Eigenschaften) besser als die Gruppe ohne Nachdenken (diese entschied quasi intuitiv). Verblüffend war aber, dass bei der komplexen Enscheidung (zwölf Merkmale) die „Bauchgefühl“-Gruppe wesentlich besser abschnitt als jene, die drei Minuten nachdenkte. Vier Autos und zwölf Merkmale führte zu 48 Kombinationen, offenbar zu komplex. Bei komplizierten Entscheidungen (z.B. Hauskauf, Partnerwahl) wo es viele Eigenschaften gegeneinander abzuwägen gilt, brauchen wir tatsächlich Intuition.

Der beste Ansatz führt uns wohl zurück zur Geschichte Benjamin Franklins: alle Informationen sammeln, analysieren, reflektieren und dann aber nicht im reinen Nachdenken zu hängen, sondern das „Bauchgefühl“ als inneres Bewertungssystem zu nutzen.  Mit anderen Worten: Bauch und Kopf müssen zusammenspielen.

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Quelle: Emotion, 2011, 11: 743-753.

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